Dr. Espen Schallmayer

Pressetext zur ausgezeichneten Dissertation von Dr. Espen Schallmayer

 

Die Architektur der Gene entschlüsseln: Neue chemische Schlüssel für verborgene Zellschalter

Das menschliche Genom ist ein komplexes Archiv aus etwa 20.000 proteincodierenden Genen. Doch die bloße Existenz dieser Baupläne ist nicht entscheidend; vielmehr ist es die Regulation – die Frage, wann welches Gen aktiviert wird. Eine zentrale Rolle spielen dabei die sogenannten nukleären Rezeptoren. Diese Proteine wirken wie biologische Präzisionsschalter, die fundamentale Prozesse wie den Stoffwechsel, Entzündungsreaktionen und den programmierten Zelltod steuern.

Trotz ihrer Bedeutung bleibt ein Großteil dieser Rezeptoren medizinisch weitgehend unzugänglich. Man kennt zwar ihre Existenz und ihre potenzielle Rolle bei Krankheiten, besitzt jedoch nicht die passenden chemischen „Schlüssel“, um sie gezielt zu steuern. Hier setzt die Doktorarbeit von Dr. Espen Schallmayer in dem Bereich der Chemogenomik an. Durch die systematische Analyse großer Datensätze und eine strenge biochemische Selektion ist es ihm gelungen, validierte „Wirkstoff-Bibliotheken“ für die nukleären Rezeptor-Familien NR1 und NR3 zu entwickeln. Diese Sammlungen hochselektiver Substanzen ermöglichen es erstmals, die Funktion dieser genetischen Schalter unter therapienahen Bedingungen zu untersuchen. 

Ein weiterer Erfolg der ausgezeichneten Doktorarbeit ist die Entwicklung eines hochpotenten Aktivators für den nukleären Rezeptor HNF4 , der eine wichtige Rolle bei Diabetes mellitus und Lebererkrankungen spielt. Die neue Substanz, die durch gezielte chemische Modifikationen bereits vorhandener Substanzen synthetisiert wurde, aktiviert den Rezeptor hocheffizient.

Indem Dr. Schallmayer nicht nur einen potenziellen Wirkstoffkandidaten für Stoffwechselerkrankungen identifizierte, sondern gleichzeitig das methodische Werkzeug für eine ganze Klasse von Rezeptoren lieferte, wird der Weg für eine präzise Therapie geebnet. Die Fähigkeit, nukleäre Rezeptoren gezielt anzusprechen, könnte in Zukunft die Entwicklung von Medikamenten beschleunigen, die dort ansetzen, wo bisherige Therapien an ihre Grenzen stoßen. 

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